Pillow Thoughts: Christmas Time

Über einsame Weihnachten und Social Media

Weihnachten ist eigentlich eine meiner liebsten Zeiten. Mittlerweile ist jedoch die Vorweihnachtszeit für mich die wichtigere geworden, da ich diese mit meinen Freunden verbringen kann.

Über die Feiertage sind die Stories und Feeds voll von Menschen die nach Hause reisen, zu Familie und Haustieren, perfekt dekorierten Bäumen und einem Festtags-Dinner. Für mich stellt sich jedoch jedes Jahr die Herausforderung neu, wie ich den Heiligabend und die anschließenden Tage verbringe. Seit dem Tod meines Vaters vor ein paar Jahren gibt es kein familiäres Weihnachtsfest mehr bei uns. Meine Eltern haben sich scheiden lassen als ich noch sehr klein war, ich bin bei meinem Vater aufgewachsen und meine Mutter hat ohnehin von da an kein Weihnachtsfest mehr veranstaltet. Im ersten Jahr ohne meinen Vater haben wir uns überlegt, wie wir nun in Zukunft diese Zeit angehen sollen und haben uns entschlossen nicht zu feiern, da es für meine Mutter ein sehr großer Aufwand wäre und es für mich persönlich nicht viel gibt, was mich sonst in die Stadt zieht in der ich geboren wurde. Das ist alles okay für uns, aber dennoch beschleicht mich jedes Jahr auf’s neue das Gefühl, dass etwas fehlt oder dass etwas falsch ist wenn ich die scheinbaren Bilderbuch-Weihnachtsfeste in den sozialen Medien sehe. Plötzlich fehlt mir ein Baum und das Dinner, die Halskette die ich meiner Mutter an Heiligabend schenken würde und der Hund den wir in meiner Familie nie hatten. Und plötzlich fühlt man sich doch irgendwie einsam und es öffnet sich eine Tür für eine Melancholie die ich die letzten Jahre ebenfalls mit Weihnachten verbinde. Dabei ist das schwierigste dabei, dass alle Menschen die ich gerne um mich hätte in der Regel die Stadt bereits ein paar Tage vor Heiligabend verlassen haben und ich mich plötzlich allein finde in meiner Wahlheimat Berlin.

Dieses Jahr stand ich plötzlich vor einem filmreifen Chaos was die Planung der Feiertage anging: Vor ein paar Wochen habe ich mit einem Freund gesprochen bei dem ich die Jahre zuvor eingeladen war und fand heraus, dass es dieses Jahr keine Option sei zu seiner Familie zu fahren. Kurz darauf erzählte mir eine Freundin dass sie dieses Jahr mit ihrer Mutter in Berlin feiert und ich natürlich herzlich eingeladen sei. Doch nun steckt sie leider in Los Angeles fest, da ihr Rückflug vor drei Tagen überbucht war und sie erst nach Weihnachten wieder in Deutschland ankommen wird. Somit fiel unsere Idee zusammen zu feiern vor zwei Tagen unerwartet flach, da sie auch jetzt noch alleine in LA sitzt.

Falls auch du zu den Menschen gehörst, die nicht zu einer Bilderbuch-Familie fährt und sich an Weihnachten einsam fühlt, will ich dir sagen dass du nicht alleine bist. Was wir nicht sehen in den Stories ist der Zoff am Esstisch und die Ungeduld sich nach dem Dinner raus schleichen zu können. Viel weniger noch sehen wir aber die Leute die nicht feiern oder für die das ganze Fest mit Einsamkeit verbunden ist. 

Nun bin ich heute am 24. aufgewacht und schreibe diese Worte nieder im Gedanken daran, dass ich den ein oder anderen erreiche der sich dadurch heute ein bisschen weniger alleine fühlt, nachdem ich gestern mit einem Freund ein Gespräch darüber geführt habe und es scheint dass viele denken nur Ihnen allein ginge es so.

Für mich ist Weihnachten dennoch eine wunderschöne Zeit auf die ich mich sehr freue aber habe den Fokus auf die Vorweihnachtszeit verlagert. Selbst triste Ecken in Berlin funkeln mit Lichterketten dekoriert, ich freue mich jedes Mal wenn ein paar meiner liebsten Weihnachtslieder zu hören sind und die ganze Stadt strahlt einen gewissen Kitsch aus, der mich happy macht, frei von jeder Idee ein perfektes Weihnachtsfest haben zu müssen an den Feiertagen. Das schönste ist, dass ich diese Tage nutzen kann mit Freunden auf den Weihnachtsmarkt oder essen zu gehen und diese neuen Traditionen in der Vorweihnachtszeit machen den Dezember für mich wieder zu etwas besonderem. Dieses Jahr bin ich zudem alleine nach London gereist als meine Freunde die Stadt schon verlassen hatten. Vor zwei Jahren war ich mit einem Freund dort und hab mich in die Stadt zu Weihnachtszeit verliebt und habe dieses Jahr entschlossen dort drei Tage alleine zu verbringen die Weihnachtsdekoration rund um den Piccadilly Circus zu sehen und meine Geschenke zu kaufen.

Wie ich nun den Abend verbringe nach dem meine Freundin am anderen Ende der Welt sitzt? Ich habe gesehen dass es mehr Leute als mich gibt, die nicht in die Stadt fahren in der die Familie lebt und ein wenig dreist habe ich mich mehr oder weniger selbst bei Freunden eingeladen und verbringe nun einen queeren Heiligabend mit Raclette und Glühwein.

Egal ob ihr alleine feiert mit der Familie oder gar nicht; Ich wünsche euch schöne Feiertage!

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