MBFW BERLIN AW2017: Stay Punk!

Über einen Hut als Symbol


Letzte Woche fand erneut die Berliner Modewoche statt und junge Designer als auch etablierte Labels zeigten ihre Herbst/Winter Kollektion 2017. Welche Shows ich besucht habe, konntet ihr auf meiner Insta Story verfolgen – Highlights waren definitiv SADAK und Marina Hoermanseder: SADAK ist nach wie vor einer der wenigen Designer, der menswear in Berlin zeigt, allerdings spielt das Thema Gender bzw. Gender Ambiguity eine große Rolle und die eher maskuline, für SADAK typische, Streetwear besticht durch feminine Akzente wie Stickereien, Röcke, Blazer mit Cut-Outs (am Rücken!) femininen Jungs und maskulinen Mädels. Marina Hoermanseder zeigte genau das, was man von ihr erwartet, kehrt bei ihren außergewöhnlichen Leder Pieces, Schnallen und Korsagen-Kleidern jedoch dieses Mal eher von hellen Pastelltönen ab und arbeitet dafür diesmal viel mit glänzendem schwarzen Lack und knallpinkem Leder. Die Models liefen zu einer Mischung aus klassischer Musik und Hip Hop Beats in Cornrows durch das Kaiserliche Telegraphenamt. Die Kollektion von Marcel Ostertag hatte ebenfalls ein paar wunderschöne Pieces, die wie momentan auch Gucci Inspiration in der Mode der 1970er Jahre findet. So viel zu meinen Eindrücken, weiteres Schreiben über die Mode überlasse ich allerdings lieber den Modejournalisten. 😉

Rundum hatte ich eine tolle Woche, habe wunderbare Menschen getroffen und vor allem eine Menge Freunde und Bekannte nach langer Zeit wieder gesehen. Aber viele Gespräche führten immer wieder zu einem modischen Accessoire auf meinem Kopf: meinen Vivienne Westwood Mountain Hat.

それを燃やす heißt übrigens „Burn It!“ auf Japanisch.

Ich trage diesen Hut nicht nur zur Fashion Week sondern auch sonst im Alltag – immer wenn ich mich danach fühle, es mein Outfit zulässt oder ich einfach finde dass er es verdient getragen zu werden. Meine Liebe zu Vivienne Westwood beginnt übrigens irgendwann in meiner Jugend, als ich noch ein großer Otaku war und einen Manga nach dem anderen verschlungen habe. In einer meiner Lieblingsserien ging es um zwei grundverschiedene Mädchen, die beide den selben Namen tragen: NANA. Die Zeichnerin der Serie Ai Yazawa hat Modedesign studiert und kleidete ihre filigranen Figuren gerne in Pieces der britischen Mode Ikone. Fasziniert von der Kleidung habe ich mich damals das erste Mal intensiver mit einer Designerin beschäftigt. Heute schätze ich Vivienne Westwood noch immer als eine inspirierende Persönlichkeit, die sich und ihrer Marke treu geblieben ist in der trend-dominierten, schnelllebigen  Welt der Mode. That Lady is still a Punk! Das ist auch der große Unterschied zwischen Style und Fashion: Style bleibt, Fashion verschwindet. Die Hüte lässt Westwood noch immer traditionell bei einem einzigen Hutmacher in London herstellen, weswegen die Stückzahl immer eher begrenzt bleibt.

Mittlerweile besitze ich den Mountain Hat in zwei verschiedenen Farben und habe ihn zu meinem treuen Accessoire für diese Modewoche gemacht. Das einzige Detail welches anders war als sonst war eine rosa Blume die ich an den Hut angebracht habe und zuvor bei meiner letzen Amsterdam Reise gefunden habe. Jetzt war der Hut für mich perfekt!

mein Look zur SADAK Show | mit Pari und Leo

Die erste Diskussion um den Hut hatte ich bereits Anfang Dezember als mir ein Follower auf Snapchat bekundete, dass er den Hut „total doof“ fände, „ihn nicht verstehen würde“ und ich damit ja nur „nach Aufmerksamkeit schreien wolle“. (…)

Nicht ganz so direkt aber dafür genau so unmissverständlich war die Bemerkung einer Bekannten vor einer der Shows, die mich mit folgenden Worten begrüßte: „Aha, more is more. Ich sage mir ja immer ‚lieber Brainstorm als Shitstorm.'“ (Welchen Shitstorm allerdings? Die Person steht selbst nicht in der Öffentlichkeit)

Nun hatte ich auf einer der Partys während der Fashion Week ein etwas längeres Gespräch mit einer Freundin, die selbst bloggt und einen unkonventionellen Stil hat. Demnach weiß sie auch, mit was für Vorurteilen man amöglicherweise zu kämpfen hat, wenn man sich eben nicht immer so anzieht wie die Leute es gerne hätten. Ein paar Drinks intus beichtete sie mir, dass ihr erster Gedanke als sie mich gesehen hatte „Oh nein, ist das sein Ernst?“ war. Allerdings meinte sie auch, dass ihr das im Nachhinein eher unangenehm ist und bei einer weiteren Begegnung hätte sich ihre Meinung geändert. Sie meinte, dass sie wüsste das auch sie sicher oft leicht hämischen Kommentaren ausgesetzt sei und in jenem Moment eher in einen Nachmacher-Strudel geraten sei, denn „der Hut würde mir stehen und eigentlich auch sehr zu meiner Persönlichkeit passen.“.

Eben! Ich wäre nicht ich wenn ich nicht auch während der Fashion Week meiner Linie treu bleiben würde.  Schon immer habe ich Inspiration in Popkultur gefunden, speziell in Ikonen des New Wave oder Musikern wie David Bowie und Boy George! Für mich soll Mode vor allem Spaß machen und wenn sich irgendjemand an einem großen Hut stört, tut es mir noch nicht einmal leid, denn ich liebe es ihn zu tragen und ich bekomme ebenso viele Komplimente dafür. Zwischen so vielen prätentiösen Individualisten, die dennoch alle keinen eigenen Stil zu haben scheinen, steche ich gerne hervor. Aber nicht weil ich nach Aufmerksamkeit schreie, sondern weil ich mir anders verkleidet vorkommen würde. (abgesehen davon ist es Fashion Week – „we’re all mad here!“)

Somit ist der Hut nebenbei zu etwas größerem (haha, Wortspiel!) für mich geworden. In Zeiten in denen es politisch wieder akzeptabel zu sein scheint Mauern anstatt Brücken zu bauen, steht er für mich symbolisch dafür, dass ich mich nicht kleiner machen werde, sondern weiter dafür kämpfen werde, dass auch Spaß und vor allem Individualität Teil der Modewelt und unserer Gesellschaft bleibt. Darüber, was guter Geschmack ist, lässt sich bekanntlich streiten und ich bleibe dem Motto treu, mit dem ich vor 10 Jahren meine Band der Welt vorstellte: Style is War!

mit Michael, Riccardo und Lisa bei Dawid Tomaszewski

PS: Im übrigen habe ich mehr Komplimente als Kritik dafür bekommen und die meisten waren begeistert davon, dass ich „das durchziehe mit dem Hut.“. Außerdem überlege ich, noch einen in violett zu kaufen – oder vielleicht doch gleich einen Bowler Hat? Als ich den ersten Hut gekauft habe, wollte mich die Verkäuferin im World’s End zu dem Bowler überreden mit den Worten „Du bist jemand, der sich was traut modisch. Und zum Bowler gehört noch mehr Mut!“.


Mountain Hat in schwarz und rot | Vivienne Westwood c/o World’s End Berlin

Ledermantel mit handgemalter Schrift | Vintage

weißer Rollkragenpullover | Uniqlo

rosa Jeansjacke | Urban Outfitters

Hose mit Lackapplikationen | Cheap Monday

Hemd in Leomuster | Urban Outfitters


a very beautiful selfie with my friend Anni Monrad after the MH show

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